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Rennsteig

Der Rennsteig

Er gilt als der „Vater aller Wanderwege“, ist 168 Kilometer lang und erfreut sich bei den Wanderfreuden großer Beliebtheit. Die Rede ist vom Rennsteig, der von der Einmündung der Hörsel in die Werra bei Eisenach bis ins Thüringer Schiefergebirge nach Blankenstein führt.

 

Rennsteig bei Rodacherbrunn

Rennsteig bei Rodacherbrunn © Frank Lenzner für Thueringen.Blog

Der Rennsteig zählt zu den schönsten Höhenwanderwegen Deutschlands. Ein weißes R auf einem blauen Grund an Schildern und Bäumen und in jüngerer Zeit auch das blaue Andreaskreuz markieren die Strecke, die überwiegend durch bewaldete Landschaft führt. Das R wird auch in der heutigen Zeit vielfach als „Mareile“ bezeichnet. Die Zeitschrift des Rennsteigvereins ist ebenfalls nach der Försterstochter benannt, die Maria Sauer hieß und als Kind Mareile gerufen wurde. Das Forsthaus ihres Vaters lag unmittelbar am Rennsteig. Von der 1871 geborenen Mareile ging ein besonderer Charme auf die Wanderer aus. Zeitweise entstand ein regelrechter Mareile-Kult. Gedichte wurden über das „duftig Blümerl“ verfasst und veröffentlicht. Im Jahr 1891 heiratete Mareile und zog nach München. Aber jeden Sommer kehrte sie zum Rennsteig zurück.

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Ein Wanderweg mit Tradition

Zwei Teilstücke der heutigen Gesamtstrecke wurden zum ersten Mal 1330 erwähnt. In der in Schmalkalden ausgefertigten Urkunde werden die Etappen vom Ruhelager Häuschen bis zum Jagdberg und vom Dreiherrenstein bis zum Nesselberg erstmals als Rynnstieg bezeichnet. Auch wenn auf dem Rennsteig oft und gerne gewandert und manchmal sogar gerannt wird, hat Rennsteig nichts mit Rennen zu tun. Das Wort bezieht sich auf Rain und meint ursprünglich eine Grenzmarkierung zwischen thüringischen und fränkischen Kleinstaaten. Rund 1.300 Grenzsteine entlang der Strecke erinnern noch heute an die damalige Funktion des Rennsteigs. Julius von Pläncker, ein Major und Topograph aus Gotha, gilt als der erste Rennsteigwanderer. Er bewältige die Strecke im Jahr 1830 in fünf Tagen und legte dabei pro Tag etwa 34 Kilometer zurück. Die Sprachforscher haben sich mittlerweile darüber verständigt, dass ein Rennsteig ein auf- und absteigender Bergpfad ist. Auf der Grundlage dieser Definition existieren in Deutschland mehr als 250 Rennsteige. Aber keiner davon konnte den Bekanntheitsgrad des Thüringer Rennsteigs erreichen. Rund 15 Kilometer des Höhenwanderwegs führen durch den Freistaat Bayern.

Gut Runst

Der Schriftsteller August Trinius, der eigentlich Carl Freiherr von Küster hieß und unter anderem Bücher über das Wandern schrieb, entdeckte 1889 die Vorzüge des Rennsteigs als Wanderweg. Im darauffolgenden Jahr veröffentlichte er das Buch „Der Rennsteig“, das zur Popularität des Wanderwegs beigetragen hat. Auch die Publikationen des Rennsteigvereins, der 1896 gegründet wurde, haben den Bekanntheitsgrad des Rennsteigs über die regionalen Grenzen hinaus stetig erhöht. Der Höhenwanderweg lockte bald Besucher aus ganz Deutschland und aus dem Ausland an. Im Jahr 1897 veranstaltete der Rennsteigverein die erste offizielle Rennsteigwanderung, die in sechs Etappen und unter der Bezeichnung die große „Runst“ bestritten wurde. Aus der ersten Veranstaltung entwickelte sich eine Tradition, die erst 1942 endete. Im Jahr 1900 wurde mit „Gut Runst“ sogar ein eigener Gruß für die Wanderstrecke eingeführt. Traditionsbewusste Wanderer grüßen sich noch heute damit, wenn sie sich auf der Strecke begegnen.

Der Rennsteig als innerdeutsche Grenze

Nach der Teilung Deutschlands als Folge des 2. Weltkriegs wurde der Rennsteig zum Teil zur innerdeutschen Grenze. In der ehemaligen DDR reichte er vom Vachaer Stein bis nach Neuhaus. Einige Wege wie zum Beispiel die Strecke östlich von Neuhaus führten durch Grenzsperrgebiet. Nach der Wende fand die offizielle Eröffnung des Wanderwegs in seiner ursprünglichen Länge im April 1990 statt. Mit der Inschrift „Frei ist der Kammweg“ erinnert ein Gedenkstein an die Geschichte. Im Jahr 1999 wurde der Rennsteig als Kulturdenkmal des Freistaates Thüringen in das Denkmalbuch eingetragen. Um auch den Radwanderern gerecht zu werden, wurde im Jahr 2000 der Rennsteigradwanderweg eröffnet. Mit einer Gesamtlänge von rund 195 Kilometer übertrifft er die klassische Wanderstrecke um gut 30 Kilometer. Die Radfahrer werden teilweise auf verkehrsarme Landstraßen geführt. Durch die Abweichungen von der historischen Strecke werden allzu schwierige Steigungen umgangen. Im Winter und bei den entsprechenden Wetterbedingungen können sich die Skilangläufer auf die Strecke begeben, denn zumindest in Teilbereichen steht der Rennsteig auch als Winterwanderweg zur Verfügung. Hierbei handelt es sich nicht um eine Erfindung der Neuzeit. Die ersten Skilangläufer waren bereits 1906 auf dem Rennsteig unterwegs.

Den Rennsteig erwandern

Egal zu welcher Jahreszeit der Rennsteig erwandert werden soll, es muss nicht gleich die gesamte Wegstrecke abgelaufen werden. Wer den Thüringer Wald hautnah und in seiner vielfältigen Schönheit erkunden will, der kann zum Beispiel Neuhaus am Rennweg zum Ausgangspunkt seiner Tour wählen. Neuhaus liegt 835 Meter über dem Meeresspiegel und ist damit die höchstgelegene Stadt in Thüringen. Entlang der Strecke wie im gesamten Verlauf des Wanderwegs laden Tische und Bänke zum Verweilen ein. Nur wenige Wanderminuten von Neuhaus entfernt bietet dem Wanderer sich mit dem „Weidmannsheil“ ein Aussichtspunkt, der zu den schönsten des Höhenwanderweges zählt. Der Panoramablick führt zum dunklen Wasser der Schwarza-Talsperre. Ansonsten sieht der Wanderer Wald, so weit das Auge reicht. Aber dahinter verbergen sich verschiedene Ortschaften und historische Residenzstädte, die Burgen und Schlösser zu bieten haben. Museen und andere kulturelle Kleinode warten auf den Wanderer, wenn er den Wanderpfad verlässt und auf einer der insgesamt 40 „Rennsteig-Leitern“ die Umgebung erkundet. Eine dieser Leitern führt in der Nähe von Neuhaus nach Lauscha, einer bedeutenden Stadt der Glasbläserei. Hier wurde bereits 1597 die erste Glashütte gegründet. Außerdem gilt die Stadt als Wiege des Christbaumschmucks. Wer sich die Zeit nimmt, kann den Arbeitern über die Schulter schauen und darf selbst als Glasbläser seine persönliche Glückskugel blasen.

Der Rennsteig in fünf Etappen

Der 1801 in Weimar geborenen Schriftsteller, Märchensammler und Apotheker Ludwig Bechstein unterbreitete 1843 den Vorschlag, den Rennsteig in fünf Etappen zu erwandern. Heute wird die Strecke meist in sechs Etappen aufgeteilt, wobei es natürlich nicht zwingend notwendig ist, sich an diese Vorgaben zu halten. Jeder Wanderer kann frei nach seiner körperlichen Verfassung selbst festlegen, was er sich zumuten will. Dabei sollten selbstverständlich auch die Übernachtungsmöglichkeiten entlang des Höhenwanderwegs in die Planung mit einbezogen werden. Bei den klassischen Etappen, wie sie Ludwig Bechstein vorgeschlagen hat, beginnt die erste Etappe in Hörschel, einem Ortsteil von Eisenach, und führt zum Großen Inselberg. Hierbei sind 33 Kilometer zu bewältigen. Vom Großen Inselberg geht es auf die 31 Kilometer lange Strecke nach Oberhof. Die dritte Etappe unter den Klassikern ist der 35 Kilometer weite Weg von Oberhof nach Masserberg. Von Masserberg nach Ernstthal/Rennweg muss der Wanderer anschließend zehn Kilometer weniger zurücklegen, ehe dann die fünfte und letzte Etappe von Ernstthal/Rennweg nach Blankenstein mit 45 Kilometer der längste Abschnitt darstellt. Wird die Strecke in sechs Etappen geteilt, ist der Start ebenfalls in Hörschel und das Ziel der Große Inselberg. Die zweite Etappe ist gleichsam mit dem Tour-Klassiker identisch, während die dritte Etappe abweicht und 27 Kilometer von Oberhof nach Kahlert führt. Von Kahlert geht es nach Limbach, wobei rund 20 Kilometer zurückzulegen sind. Der vierte Streckenabschnitt führt den Wanderer 30 Kilometer lang von Limbach nach Steinbach. Von hier aus geht es zu guter Letzt 28 Kilometer weit nach Blankenstein.

Sehenswürdigkeiten am und in der Nähe des Rennsteigs

Abseits der Wanderwege gibt es viele Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Dazu zählen mittelalterliche Kirchen, Burgen, Schlösser, Klöster und ebenso Museen und Galerien. Aber auch Parks, Zoos und Gärten bereichern das Freizeitangebot, das durch Thermal- und Erlebnisbäder, Ballonfahrten und umfangreiche Sportmöglichkeiten ergänzt wird. Passende Unterkünfte sind ebenfalls reichlich vorhanden. Im Frauenwald können Wildtiere in freier Natur beobachtet werden. In Masserberg erinnert die Heimatstube an vergangene Zeiten, während im Goethemuseum Stützerbach das literarische Erbe gepflegt wird. Vergangenheit und Gegenwart verknüpfen sich im wahrsten Sinn des Wortes in der Strickmanufaktur Zella. Freunde des Jugendstils sind in Greiz an der richtigen Adresse. Praktisch das ganze Jahr über sind in der näheren und weiteren Umgebung des Rennsteigs Veranstaltung für jeden Geschmack im Angebot. Ob Rodel-Weltcup in Oberhof, Thüringer Bachwochen oder Wandersommer, ob Krämerbrückenfest in Erfurt oder dem Güldenen Herbst, einem Festival alter Musik, die Festivitäten sind sowohl sportlicher als auch kultureller Art. Besonders der Wandersommer ist für passionierte Wanderer reizvoll. Sie haben die Gelegenheit, an unterschiedlichen geführten thematischen Wanderungen teilzunehmen. Ein Höhepunkt ist im Mai der GuthsMuths-Rennsteiglauf, der seit 1973 organisiert wird. Mit rund 15.000 Teilnehmern aus 20 Nationen hat sich der Rennsteiglauf zu den zehn großen Laufveranstaltungen in Deutschland entwickelt. Als Landschaftslauf ist er der größte in Europa und wird jährlich von circa 30.000 Zuschauern verfolgt.

Weitere Laufveranstaltungen sind unter anderem der Rennsteig-Etappenlauf, der Herbstlauf und der Thüringer Skimarathon.

Sagen und Mythen

Um den Rennsteig sind im Laufe der Jahrhunderte sehr viele Sagen und Mythen entstanden, die nicht nur mündlich überliefert wurden, sondern auch in Büchern nachgelesen werden können. Darin ist auch von einer Rennsteighexe die Rede. Andere Sagen kreisen um den „Großen Herrenstein“, der von Sumpfboden umgeben ist. In lauen Sommernächten flackern bläulich-grüne Flammen auf. Es sind die Seelen von Menschen, die zu Lebzeiten gesündigt haben und im Tod keine Ruhe finden. In einer anderen Sage wird dem Wanderer empfohlen, sich vor Beginn der Wanderung einen Stein aus der Werra zu holen und diesen am Ziel in die Saale zu werfen. Ein anderer Mythos besagt, dass der Rennsteig in Jahren mit gerader Zahl südostwärts von Hörschel nach Blankenstein erwandert werden soll. In die andere Richtung lautet die Empfehlung in ungeraden Jahren. Ob dabei das berühmte Rennsteiglied von Herbert Roth gesungen werden muss, ist nicht überliefert. Aber egal welches Ziel angepeilt wird, es besteht immer die Möglichkeit, einem Pilger zu begegnen, denn der mittlere und östliche Teil des Rennsteigs gehört zum Pilgerweg Via Porta.

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